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Rennsteiglauf 2010

 

Eine andere Rennsteigerfahrung
 
Mein zweiter Start über den Rennsteig stand an, und die Vorbereitung war alles andere als gut. Da ich meinen persönlichen Borussialauf, zwar mit einem Shin Splin, gut beendet hatte, fühlte ich mehr als gut gerüstet für den Rennsteig. Auch die 3 Wochen Zwangspause änderten meine Meinung nicht. Die Scheinbeinhautentzündung schien auskuriert und so konnte ich die letzten 3 Wochen ordentlich trainieren, wenn man von der Schwere der Beine ab sah. Aber genau das und noch ein paar andere Nebensächlichkeiten haben mich den Rennsteig von einer anderen Seite erleben lassen.
 
Genau 4 Tage vor diesem tollen Landschaftslauf erwischte mich wieder einmal eine Erkältung. Die Nase, und das wiederholt vor einem Lauf, lief. Immer wieder erwischt es mich vor solchen Veranstaltungen und am Starttag ist es wieder weg. Trotzdem kam ich nur zu einer kurzen Einheit in der letzten Woche. So wurden aus 3 nur noch 2 Trainingswochen.
Nach 2 Schlaflosen und einer viel zu kurzen Nacht wurde ich am 08.05. um 2:45 Uhr aus den Träumen geholt. Also, raus aus den Federn kurz etwas gegessen und ab zum Bus. Auf der Fahrt habe ich mir dann doch eine Zeit um 6 min./km vorgenommen, aber dieser Traum zerplatzte sehr schnell.
 
Wie immer tolle Stimmung auf dem Marktplatz in Eisenach. Dann der Startschuss und es ging kurz durch die Lutherstadt Richtung Inselsberg. Es war kalt, sehr kalt und feucht. Nach gut 10km hatte sich mein Vorhaben von 6 min./km erledigt. Heute ging es nur darum das Ding zu Ende laufen. Nach 25 km haben wir den Inselsberg erklommen und es ging auf rutschigen Stufen wieder hinunter. Meinen ersten Fehltritt hatte ich schon beim Anstieg, als mein Knöchel an einem Stein meinte, ich berühr mal den Boden. An dieser Treppe dann der Zweite mit kurzer Halbflugeinlage und anschließendem Stand. Vielleicht sollte ich es mal mit Bodenturnen versuchen.
 
Weiter ging es zur Grenzwiese und der hervorragenden Verpflegung an der Strecke. Es ist einfach toll, was von den Vereinen entlang der Strecke aufgeboten wird. An dieser Stelle mal einen herzlichen Dank für so viel Engagement.
 
Die Anstiege habe ich mir von Anfang an im Walkingstil erarbeitet, um Kraft für die Länge zu sparen. Zwischen Grenzwiese und Ebertswiese, wo wieder Picknick angesagt war, meldete sich mein Schienbein. Verdammt, warum jetzt schon. Jeder Abstieg war mit Schmerzen verbunden. Noch nie habe ich einem Anstieg so entgegen gesehnt wie diesmal. Jedes Flachstück war eine Erholung.
Es ging nur noch darum ordentlich den Lauf zu Ende bringen, eventl. am Grenzadler (Biathlonstadion) aussteigen. Meine Beine wurden immer schwerer, der Salzverlust war enorm. Überall hatte ich Salzränder. Leichte Krämpfe machten sich bemerkbar und ich biss die Zähne zusammen.
Der Grenzadler war erreicht und die Stimmung stieg. Jetzt waren es nur noch 17km und die hol ich mir auch noch. Direkt wieder ein Anstieg und meine Oberschenkel brannten.
 
Mein körperlicher Zustand hat sich immer mehr verschlechtert und irgendwie gab es im letzten Jahr keine Tunnel auf der Strecke. Dieser war jetzt extrem lang und wollte nicht enden. Endlich auf dem Rosenkopf und die letzte Verpflegung am Punkt Schmücke und nur noch 8 km lagen vor mir.
 
Immer wieder hieß es, es geht nur noch bergab, von den zwei fiesen Rampen die noch kamen sprach keiner. Ich musste gehen und eine Läuferin neben mir meinte, wenn du gehst dauert es noch länger. Recht hat sie und ich biss noch einmal die Zähne zusammen. Dann diese, weiß Gott aus welchen Gründen man die einbaut, letzte Rampe vor dem Ziel. Welch Masochist denkt sich so etwas aus? Von dort ging es wirklich nur noch bergab und man hörte schon die ganze Zeit das Stadion. Gleich nur noch knapp 1000m und es war vorbei. Ich kämpfte mit den Tränen, die Schmerzen waren für einen kurzen Moment vergessen. Das Ziel lag vor mir und ich schrie meine ganze Erleichterung raus. Schmiedefeld war erreicht und ich bekam meine zweite Rennsteigmedaille. Mein Vater nahm mich in Empfang und wir gingen zum Gepäckplatz. Dort traf ich noch auf Bekannte aus Berlin. Kurz umziehen und aus den nassen Klamotten raus. Wir holten noch die Urkunde und das Finishershirt, welches es wirklich nur für Finisher gab, ab und fuhren in unser Hotel nach Suhl.
 
Am Abend sollte es wieder nach Schmiedefeld zur Party gehen, aber nach einem kleinen Nickerchen konnte ich mit meinem Schienbein keinen Meter mehr gehen. Wir feierten im kleinen Rahmen meine erfolgreiche Teilnahme und eine unvergessliche Lauferfahrung.
 
Vielen Dank an alle, die diesen Lauf erst möglich machen. Die vielen Helfer an den Stationen bis zu den Mädels, die einem die Medaillen umhängen.
 
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