Nächster Lauf

Langelner Hügelgräber Marathon

 

Der Weg nach Hause
 
2008 reifte in mir die Idee meine Liebe zu Borussia Mönchengladbach und zum Laufen zu kombinieren. Bei jedem Lauf trug ich das Trikot des Mythos, das war aber  irgendwie noch nicht alles. So kam ich auf die Idee eventuell mal nach Mönchengladbach zu laufen. Diese Idee gefiel meiner Frau überhaupt nicht, da sie Angst um meine Gesundheit hatte. Ihr Vorschlag war, doch erst einmal einen Ultralauf zu absolvieren und mich danach eingehend untersuchen zu lassen. Gut, so lief ich erst einmal den Rennsteiglauf und es war ein tolles Gefühl über eine solch weite Distanz zu gehen.
 
Die Leidenschaft weitere Strecken zu laufen war entfacht und am liebsten wollte ich jeden Monat einen Lauf absolvieren. Doch irgendwie siegte die Vernunft.
Nach dem Berlin Marathon 2009 wurde mein Körper, besonders mein Herz, eingehend untersucht. Man attestierte mir ein jungfräuliches Herz und keinerlei Probleme.
Somit stand dem Vorhaben Mauerlauf nichts im Wege und es ging mit Gero Mensel einmal um Westberlin. Was für eine tolle Erfahrung.
Zwischenzeitlich hatte ich eine Wette verloren und musste ab dem 22.03.10 von Cuxhaven nach Mönchengladbach laufen.
Die Planungen für dieses Vorhaben liefen also an. Sich für einen Lauf anzumelden ist einfach, aber eine Strecke mit aller Drum und Dran zu organisieren war etwas anderes.
Ich musste mich um Fußwege, Wohnmobilstellplätze und um die Streckenführung kümmern. Welche Orte und welche Streckenlänge sollte ich nehmen? Noch nie hatte ich einen Etappenlauf absolviert und schon gar nicht organisiert.
Die Planung lief über 3 Monate und am Ende standen die Orte fest. Brake, Großenkneten, Bersenbrück, Rheine, Dülmen, Moers und Mönchengladbach Borussiapark hießen die Zielorte.
Am 22.03. ging es also los. In Cuxhaven hatte mich eine kleine Gruppe von Leuten verabschiedet. Mein Vater fuhr mit dem Fahrrad nebenher. Nach ca. 10km kamen noch ein paar Familienmitglieder hinzu, u.a. meine jüngsten Begleiter Eve und Luke, sie blieben ein paar km neben mir. Mein Vater verlies mich bei km 30 und so war ich auf mich allein gestellt. Das Wohnmobil hielt alle 5km zur Verpflegung an. Nach 8 Stunden war Brake erreicht und ohne Probleme ging es am nächsten Tag weiter Richtung Großenkneten. Das Wetter wurde immer wärmer und die Etappe zog sich immer mehr hin. Endlich am Etappenziel und so hatte ich das erste Mal Bedenken, mein Ziel zu erreichen.
Es war ein hartes Stück Arbeit, aber es sollte am nächsten Tag Richtung Bersenbrück gehen. Immer wieder mussten wir nach dem Weg fragen und trotzdem verlief mich ständig. In Quakenbrück erwischte das Wohnmobil eine Schnellstraße und so musste ich auf die Rückkehr warten. Auf einer Nebenstrecke ging es weiter und wir erreichten frühzeitig Bersenbrück. Es lief wieder und ich konnte meinen Schnitt von 6min./km halten.
Es folgte der heißeste Tag der Woche. Die Etappe von Bersenbrück nach Rheine war nicht nur heiß, sondern auch geruchstechnisch die Fürchterlichste. Seit Tagen hatte ich den Güllegeruch in der Nase, aber an diesem Tag muss ich darin gebadet haben. Eine besonders positive Begegnung hatten wir in Merzen beim dortigen Sportverein. Nach einem netten Gespräch und der Hilfe der Sportsfreunde ging es weiter. Schönen Gruß an die Jungs.
Irgendwann erreichten wir Rheine, aber ohne uns mehrfach zu verlaufen. Am Ende standen 25 Grad auf dem Thermometer. Wir stellten unser Wohnmobil am Dortmund-Ems-Kanal ab.
Am nächsten Tag sollte es lt. Wetterbericht anfangen zu regnen. Doch der Etappenstart war warm und ich fing in Kurz an. Bei Steinfurt mussten wir uns aufgrund einer Schnellstraße trennen und ich nahm einen Umweg von 2km in Kauf. Leider verpasste ich eine Abzweigung und lief und lief und lief. Mein Garmin zeigte schon 10km seit der letzten Verpflegung an. Das Wetter hatte total umgeschlagen und das Thermometer fiel unter 10 Grad. Es regnete Bindfäden und mir wurde kalt.
Der Frust stieg und ich musste auf das Wohnmobil warten. Nach ca. einer Stunde haben sie mich gefunden und endlich konnte ich warme und trockene Sachen anziehen. Sie brachten mich auf die eigentliche Strecke zurück. Das Gelände Richtung Dülmen wurde immer welliger, bzw. für einen Flachländer bergig. Völlig durchgefroren und aufgeweicht erreichten wir Dülmen.
Übernachtet haben wir auf einem Campingplatz am Dülmener See. Schönen Gruß an den Wirt.
 
Ab Dülmen hatten wir Verstärkung von unseren Freunden Katrin und Rudi. Die Etappe führte uns von Dülmen nach Moers. Ohne mich zu verlaufen ging es auch hier nicht, aber einige km mehr oder weniger waren jetzt auch egal. Nach 30km machten sich meine Beine bemerkbar. Da ich immer mein Handy dabei hatte, konnte mich ein Kollege erreichen. Ich erzählte ihm von meinen Problemen und er riet mir die Etappe abzubrechen, denn ich hätte schon genug erreicht und die Kraft für den letzten Tag zu sparen. Trotzdem setzte ich die Etappe gehend und laufend fort. Bei Orsoy überquerten wir den Rhein und Moers war nicht mehr weit. Mein km-Schnitt war weiter gesunken, aber ich war da.
Die letzte Etappe führte mich dann endlich an mein Ziel. Wir starteten sehr früh und waren schon gegen 13 Uhr am Bökelberg. Nun hatten wir genug Zeit die letzten 5km zum Borussiapark in Angriff zu nehmen. 1km vor dem Stadion machten wir noch einmal Pause in einem Eiscafe. Wir waren erst ab 16:00 am Stadion mit den Jungs von Fohlen TV verabredet. Sie wollten mein Ankommen am Fanhaus filmen und dann das erste Interview mit uns führen. Auf dem Weg zum Stadion wurden wir gefilmt und gefragt, wie ich zur Borussia kam. Ein Zwischenstopp an meinem Fanstein vor der Nordkurve und wir trafen auf TJ, einer der Fanbeauftragten von Borussia. Zusammen mit TJ gingen Patrick, mein Sohn und ich in den Innenraum. Wir warteten am Marathontor auf unseren Auftritt. Um Punkt 17:15 Uhr war es soweit, der Borussiapark war mit 52.000 Zuschauern besetzt.
Wir wurden vom Sprecher angekündigt und  liefen an der Außenlinie entlang zur Mittellinie, bei Knippi dem Stadionsprecher wurden wir von Kameras empfangen. Wir hatten ein tolles Interview mit ihm und alles wurde auf die Videowalls übertragen. Danach ging es in die Katakomben zum duschen. Vorbei an der Mannschaftskabine hatte man extra eine Kabine für mich beschriftet. Ich fühlte mich wie ein „Star“, denn an der Kabinentür stand mein Name mit dem Zusatz Ultraläufer. In der Kabine stand etwa zu trinken, aber wir hatten keine Zeit, denn wir wollten unsere Hymne und den Einlauf der Mannschaften erleben. Schnell geduscht und zurück in den Innenraum. Die Spieler von Borussia kamen an uns vorbei und gingen in ihre Kabine. Was für ein Gefühl. Danach wieder in den Innenraum und die Vorbereitung für unsere Hymne lief schon. Traditionell fragte Knippi die einzelnen Tribünen und den gesamten Borussiapark nach ihrer Bereitschaft ab und dann folgte „Die Elf vom Niederrhein“. Was für ein Erlebnis, das alles im Innenraum mit zu erleben. Wir standen an der Auswechselbank von Borussia und erlebten den Anpfiff. Kurz danach ging es mit dem Fahrstuhl auf unsere Plätze. In der 40 min. war mein Lauf perfekt. Roel Brouwers schoss Borussia mit 1:0 in Führung und diese hatte bis zur 93min. bestand. Wir haben den HSV wieder besiegt und einen besseren Abschluss konnte ich mir nicht wünschen. Wir feierten noch mit der Mannschaft im Stadion und gingen mit dem Team von Fohlen TV zur Abschlussszene ans Wohnmobil. Dort verabschiedeten wir uns von allen und fuhren schon an dem Abend noch nach Cuxhaven.
 
Mein erster Etappenlauf hatte einen grandiosen Abschluss und machte Geschmack auf mehr.

 

Weitere Bilder unter www.nockewell.de.vu

 
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